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Die betriebliche Zukunft gestalten!

altAnlässlich der Generalversammlung der Züchtervereinigung nahm Bernd Lührmann, LWK Niedersachsen Stellung zu der Frage - Die betriebliche Zukunft gestalten! -

Die Milchauszahlungspreise der vergangenen 24 Monaten haben viele Betriebe in ihrer Zukunftsplanung stark verunsichert. Denn nach den sehr positiven Milchpreisen im Wirtschaftsjahr 2007/2008 kam ein deutlicher Preiseinbruch im Kalenderjahr 2009. Aber in der Zukunft ist mit Milchpreisschwankungen von rund 10 ct/kg Milch innerhalb eines Jahres durchaus zu rechnen. Das liegt einerseits an den globalisierten Märkten und andererseits auch am Einfluss der Kapitalmärkte auf die Rohstoffmärkte der Agrarprodukte. So kann bzw. muss m. E. langfristig mit einem durchschnittlichen Milchpreis von ~ 29 ct/kg Milch (ohne Umsatzsteuer, ohne Fett-/Eiweiß- oder Mengenzuschläge) kalkuliert werden.

Aus der Vergangenheit kann aber auch abgeleitet werden, dass hohe Milchpreise selten Rentabilitätsprobleme gelöst haben. Eher im Gegenteil: die Gewinndifferenz zwischen den erfolgreichen und den weniger erfolgreichen Milcherzeugern wurde in Phasen hoher Milchpreise eher größer. Somit konnten die erfolgreichen Milcherzeuger wesentlich höhere Kapitalreserven aufbauen bzw. reinvestieren und damit das betriebliche Wachstum stärker vorantreiben. Für eine erfolgreiche Milchproduktion gilt es also, unabhängig vom Milchauszahlungspreis, die Rentabilität des Betriebszweiges steigern. Dieses wird in den nächsten Jahren gerade auch vor dem Hintergrund der sich ändernden politischen Rahmenbedingungen (Auslaufen der Milchquote, sinkende Direktzahlungen, geringere politische Marktsteuerung (Intervention) etc.) unumgänglich werden. Allerdings wird das Ausschöpfen der betrieblichen Reserven als alleinige Maßnahme nicht in jedem Fall ausreichen. Trotzdem müssen diese vorrangig erschlossen werden, um dadurch nachfolgend eine entsprechende Rentabilität und Liquidität zur Finanzierung der weiteren Investitionen sicher zu stellen. Es gilt der Grundsatz: Qualität vor Quantität!

Darüber hinaus wird vielfach auch eine weitere Betriebsentwicklung zur Einkommenssicherung der Betriebsleiterfamilie sowie für den Fortbestand des Betriebes unumgänglich sein. Allerdings ist eine Größendiskussion um die notwendige Kuhzahl zur Erreichung eines auskömmlichen Betriebsgewinnes kontraproduktiv und für Betriebsleiter vielfach sogar demotivierend. Eine Investitionsstrategie, die in jedem Betrieb oder jeder Marktlage erfolgreich und zukunftsweisend ist, gibt es nicht. Es gibt also nicht DIE STRATEGIE! Aber es gibt sehr viele erfolgreiche, individuelle Betriebsentwicklungskonzepte. Wichtig dabei ist, dass sie:

  • zur Betriebsstruktur passen und umsetzbar sind,
  • die betrieblichen und regionalen Rahmenbedingungen berücksichtigen,
  • die Wirtschaftlichkeit (Liquidität, Rentabilität, Stabilität) erhalten bzw. verbessern
  • bei geänderten politischen und/oder marktwirtschaftlichen Bedingungen Perspektive bieten,
  • den Betriebsleiter nicht überfordern (Mitarbeiterführung, Büroarbeit, Herdenmanagement)
  • innerhalb der Betriebsleiterfamilie offen diskutiert und von allen Mitgliedern getragen werden.
Das bedeutet also nicht automatisch den Neubau eines Boxenlaufstalles, sondern vielmehr die Weiterentwicklung der Milchviehbetriebe auf der Grundlage individueller Ziele der Betriebsleiter (-familie).

Steht allerdings ein Stallneubau im Zentrum der Überlegungen, so können derzeit bestenfalls die erfolgreichen 25% der Betriebe (der regionalen betriebswirtschaftlichen Auswertungen) sich diesen leisten. Für Betriebe, die nicht zur vorgenannten Gruppe zu zählen sind, jedoch eine überdurchschnittliche Rentabilität aufweisen, ist der kostengünstige Ausbau der Milchproduktion realistisch. Für alle anderen Betriebe ist die schnellst mögliche Verbesserung der Rentabilität von zentraler Bedeutung. Weniger erfolgreiche Milcherzeuger, die in den nächsten Jahren nicht mindestens eine durchschnittliche Rentabilität der Milcherzeugung erreichen, müssen die Aufgabe der Milcherzeugung in Erwägung ziehen!

Für den Ausbau der Milchproduktion, egal ob Neubau oder kostengünstiger Anbau, muss ein gesamtbetriebliches Entwicklungskonzept (Masterplan) erarbeitet werden, um die Struktur des Betriebes und damit die Investitionen für die nächsten Jahre oder Bauabschnitte zu planen. Dadurch werden optimale Arbeitsbedingungen (klare Arbeitsachsen, kurze Treibwege, einfache Selektions- bzw. Behandlungsmöglichkeiten etc.) für Mensch und Tier gestaltet. Zudem können die baulichen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Milcherzeugerbetrieb (Hygieneschleuse, Ausnutzung der standortspezifischen Tierplatzzahlen) geschaffen werden. Auch hinsichtlich der Finanzierung sind solche Masterpläne wichtig. Denn vielfach sind Liquiditätsengpässe nicht nur durch geringe Markterlöse, hohe Produktionskosten oder verringerte Leistungen begründet. Häufig sind es Finanzierungsfehler vorheriger Investitionen, die einer weiteren Betriebsentwicklung entgegenstehen.

Die Beweggründe für den weiteren Ausbau der Milcherzeugung sind vielfältig. Viele Betriebsleiter investieren aufgrund einer veralteten Technik und/ oder eines unangepassten Stalles und möchten gleichzeitig die Weichen für die „Zeit nach der Milchquote“ stellen. Aber auch die Marktposition des Betriebes sowie steuerliche Aspekte spielen in vielen Investitionsentscheidungen mit hinein. Zudem realisieren viele Milcherzeuger, dass sie langfristig die enorme arbeitswirtschaftliche Belastung der Milcherzeugung nicht tragen können oder wollen. Für diese Betriebsleiter steht, zu den vorgenannten Aspekten, auch die Reduktion der Arbeitszeit durch Technik (Melktechnik etc.) oder Mitarbeiter im Fokus der Überlegungen. Dabei entscheiden sich gerade Betriebsleiter mit begrenztem Hofesstandort (geringer genehmigungsfähiger Kuhbestand), mit interessanten Einkommensalternativen bzw. ohne mittelfristige große Wachstumsabsichten vielfach für ein automatisches Melksystem. Andere Betriebe wählen bewusst ein konventionelles Melksystem (Gruppenmelkstände, Melkkarusel etc.), weil sie:
  • die Degressionseffekte der Baukosten bei weiteren Wachstumsschritten nutzen möchten
  • bereits erfolgreich Mitarbeiter beschäftigen
  • keine Bedenken hinsichtlich der Akquise, Ausbildung und Entlohnung der Mitarbeiter sehen.
Als arbeitswirtschaftliche Zielvorstellung formulieren Betriebsleiter häufig, dass sie eine zeitliche Abkömmlichkeit vom Betrieb (Urlaub, freies Wochenende, Zeit für Familie/Freizeit, Krankheitsvertretung) und damit eine Steigerung der Lebensqualität erreichen möchten. Zudem schätzen viele auch die Zusammenarbeit mit Mitarbeitern, wenn diese beispielsweise eigene Ideen und Gedanken in den Betrieb einbringen.

Die individuellen Unternehmensziele müssen aber nicht zwangsläufig auf dem Ausbau der Milcherzeugung gründen, denn nicht jeder Milcherzeuger fühlt sich zum Führen größerer Milchviehherden berufen. Außerdem hängt die Zukunft eines Betriebes nicht von einzelnen Betriebszweigen, sondern von der Liquidität und Rentabilität des Gesamtbetriebes ab. Also stellt auch die Einkommensdiversifizierung für etliche Betriebsleiter eine empfehlenswerte Alternative dar. Wichtig dabei ist es, die zur Verfügung stehenden Produktionsfaktoren sowohl quantitativ als auch qualitativ realistisch zu beurteilen. Weiterhin sind die langfristige Ausrichtung des Betriebes sowie die Zukunftsträchtigkeit der Milcherzeugung von entscheidender Bedeutung. Bei Fortführung der Milcherzeugung darf diese nicht mit dem diversifizierten Betriebszweig um die vorhandenen Produktionsfaktoren konkurrieren. Zudem ist auch beim Aufbau neuer Betriebszweige ein individuelles Betriebsentwicklungskonzept (Masterplan) unerlässlich. Nur dadurch kann bei Bedarf die bauliche und finanzielle Weiterentwicklung aller Betriebszweige sichergestellt werden.

Ergo: Unabhängig von der zukünftigen Ausrichtung des Betriebes ist ein Masterplan zur baulichen und zur finanziellen Strukturierung erforderlich. Nur dadurch ist eine sinnvolle und zukunftsweisende Investitionsstrategie möglich!
Denn: Die Struktur folgt der Strategie

Bernd Lührmann
LWK Niedersachsen
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